Pathologie der ST-Strecke

ST-Strecke
Die ST-Strecke als Abbild der Erregungsrückbildung der Kammermuskulatur zeigt sich im normalen EKG als horizontale, isoelektrische Linie. Den Übergang vom QRS-Komplex bzw. der S-Zacke in die ST-Strecke bezeichnet man als J-Punkt.

Pathologika der ST-Strecke

Veränderungen der ST-Strecke werden grundsätzlich in Senkungen (ST-Strecken-Senkung) und Hebungen (ST-Strecken-Hebung) unterschieden. Es erfolgt dann jeweils eine weitere Unterscheidung:

ST-Strecken-Hebung

ST-Strecken-Hebung aus R-Schenkel (J-Punkt) ST-Strecken-Hebung aus S-Schenkel (J-Punkt)

ST-Strecken-Senkung

  • aszendierend
  • deszendierend
  • horizontal
aszendierend deszendierend horizontal

Typische Pathologika

muldenförmige ST-Senkung (z.B. Digitalis) kardiale Hypertrophie Schenkelblock

Verschiedenste Veränderungen der ST-Strecke als Abbild einer Erregungsrückbildungsstörung sind möglich. Einige typische (spezifische) Erregungsrückbildungsstörungen werden im Folgenden kurz aufgeführt:

  • Ischämie des Myokards:
    • Durch eine Minderversorgung der inneren Muskelschichten kommt es zu deszendierenden oder horizontalen ST-Strecken-Senkungen
    • Verteilungsmuster entsprechend der koronaren Gefäßversorgung (vgl. unten)
  • Akuter Myokardinfarkt:
    • ST-Strecken-Hebung aus absteigendem R-Schenkel ("Kirche", vgl. oben)
    • Verteilungsmuster entsprechend der koronaren Gefäßversorgung (vgl. unten)
  • Perikarditis:
    • ST-Strecken-Hebung aus aufsteigendem S-Schenkel (vgl. oben)
    • Gefäßunabhängiges Verteilungsmuster
  • Digitalis:
    • Muldenförmige ST-Strecken-Senkung
    • Minderung der QT-Zeit
    • Gefäßunabhängiges Verteilungsmuster
  • Kardiale Hypertrophie:
  • Schenkelblock:
    • deszendierende ST-Strecken-Senkung
    • präterminal-negative T-Welle
    • Störung der Erregungsausbreitung (= Schenkelblock)
      → Störung der Repolarisation (KEIN Hinweis auf Ischämie)
 

Die Messung einer jeweiligen Senkung bzw. Hebung der ST-Strecke erfolgt 60-80ms nach dem J-Punkt als Abstand zur isoelektrischen Linie in der Ableitung mit der maximalen Abweichung. Im Befund wird später die Messung der Abweichung [mV] und die zugehörige Ableitung angegeben.

 

Neben einer reinen Messung lassen sich die auftretenden ST-Strecken-Veränderungen (ggf. T-Wellen-Veränderung) in den jeweiligen Ableitungen auch einzelnen Regionen der Herzmuskulatur zuordnen: