Schenkelblock

Der QRS-Komplex spiegelt die Erregungsausbreitung der Herzkammern wider. Vom Sinusknoten über die Vorhöfe, den AV-Knoten und schließlich das HIS-Bündel gelangt die Erregung über die Tawaraschenkel und die Purkinje-Fasern zum Myokard.

Eine Störung der intraventrikulären Erregungsausbreitung spiegelt sich dementsprechend als Veränderung des QRS-Komplexes wider. Bei Behinderung der Erregungsausbreitung wird die Erregung des Herzmuskels einem anderen und somit auch einem längeren Weg folgen.

Dies zeigt sich im EKG als Verbreiterung des QRS-Komplexes (längerer Weg) und einer Deformierung (anderer Weg).

Man unterschiedet je nach Lokalisation und Ausprägung der Blockade in:
RSB
(inkompletter) Rechtsschenkelblock
LSB
(inkompletter) Linksschenkelblock
LAHB
Links-anteriorer Hemiblock
LPHB
Links-posteriorer Hemiblock
Auch können Kombinationen der verschiedenen Schenkelblöcke nebeneinander auftreten. Grundsätzlich ist hierbei jede denkbare Kombination möglich. Sind zwei der Schenkel bzw. Faszikel betroffen, bezeichnet man dies als bifaszikulären Block (z.B. LAH + LPHLSB; RSB + LAH). Sind alle drei Faszikel betroffen wird dies als trifaszikulärer Block (LAH + LPH + RSBLSB + RSB ) bezeichnet. Es entspricht einem totalen (tiefen) AV-Block.

Im EKG zeigen sich typisch folgende Punkte:

  • Verbreiterung des QRS-Komplexes:
    Der QRS-Komplex ist verbreitert (inkomplett 100-110ms; komplett: ≥120ms) – meist QRS: 140 – 160ms
  • Deformierung des QRS-Komplexes:
    Es zeigt sich eine typische "schenkelblockartige" Deformierung des QRS-Komplexes, die auch als doppelgipflig, M-förmig oder Hasenohren ("rabbit sign") bezeichnet wird. Außerdem ist der obere Umschlagspunkt häufig verschoben.
  • Sekundäre Repolarisationsstörung:
    Aufgrund einer Störung in der Depolarisation der Herzkammer ist entprechend auch die Repolarisation (ST-Strecke, T-Welle) verändert. Dies weist aber im Rahmen des Schenkelblocks nicht auf mögliche Durchblutungsstörungen des Herzmuskels hin (vgl. Pathologie der ST-Strecke).

Sollten nur einzelne QRS-Komplexe im EKG-Streifen verändert sein, handelt es sich um ventrikuläre Extrasystolen.