Schilddrüse

Hypothyreose

Definition

Die Hypothyreose beschreibt eine Unterfunktion der Schilddrüse. Die Schilddrüse schüttet vermindert die Schilddrüsenhormone T3 und T4 aus. Dies hat weitreichende Folgen für den Organismus. Ca. 5% der Bevölkerung leiden unter einer Schilddrüsenunterfunktion.
Das Gegenteil, die Überfunktion, wird als Hyperthyreose bezeichnet. Grundsätzlich wird bei der Hypothyreose zwischen einer angeborenen oder erworbenen Form unterschieden.

Wirkung der Schilddrüsenhormone … 
 

 

angeborene Hypothyreose

Diese Form der Hypothyreose tritt bei ca. 1/5.000 Neugeborenen auf.2 Verursacht werden kann die Hypothyreose durch eine fehlende (Athyreose) oder insuffiziente (Schilddrüsendysplasie, -ektopie) Schilddrüsenanlage, durch eine Störung in der Hormonsynthese und -freisetzung oder durch sehr seltene Rezeptordefekte (z.B. T3-Rezeptordefekt) mit einer resultierenden Hormonresistenz.2,3

Bei einer unbehandelten Hypothyreose würden Wachstums- und Reifungsstörungen, eine geistige und psychische Entwicklungsverzögerung sowie eine niedrige Intelligenz drohen. Im Rahmen der Routine-Diagnostik bei Neugeborenen erfolgt deshalb auch ein Hypothyreose-Screening (TSH basal-Bestimmung).

Es sollte eine Substitution mit Schilddrüsenhormonen so früh wie möglich erfolgen. Nach einigen Autoren macht sich eine 3-wöchige Therapieverzögerung schon bemerkbar. Eine Wachstumsverzögerung kann aufgefangen werden, die Auswirkung auf die geistige Reifung nicht. Wäre vorher ein Abitur möglich gewesen, so ist dies durch den 3-wöchigen Verzug nicht mehr möglich.

Aus diesem Grunde ist das Screening (Bestimmung des TSH) am 3. Lebenstag vorgeschrieben. Ein erhöhtes TSH weist hier auf eine Hypothyreose hin.

Als Hinweis sei erwähnt, dass es zu einer vorübergehenden TSH-Erhöhung über eine "Jod-Überladung" des neugeborenen Kindes durch ein jod-haltiges Desinfektionsmittel kommen kann. Aufgrund des Jod-Überangebotes kommt es über den Regelkreis zu einer vorübergehenden Hemmung und einem zeitweise verminderten TSH.
Auch kann eine Jod-Unterversorgung der Mutter zu einem Jod-Mangel des Kindes und so zu einer Hypothyreose des Kindes führen. Diese ist dann nicht angeboren, sondern durch den alimentären Jodmangel bedingt. Es zeigt sich eine durch den Mangel entstandene Struma beim Neugeborenen.
2,3

Bei der Diagnose einer angeborenen Hypothyreose erfolgt eine Substitutionstherapie so früh wie möglich und lebenslang.

erworbene Hypothyreose

Die erworbenen Hypothyreosen wiederum unterscheidet man entsprechend dem Ort der Ursache in eine primäre, sekundäre oder tertiäre Hypothyreose:
  • primäre Hypothyreose: thyreogen = von der Schilddrüse ausgehend
    Primäre Hypothyreosen, also direkte Erkrankungen der Schilddrüse, sind häufig Folge einer Autoimmunthyreoiditis (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis). Aber auch nach einem medizinischen Eingriff (Strumektomie, Radiojodtherapie, Medikamenten,…) kann es zu einer Hypothyreose kommen.

  • sekundäre Hypothyreose: hypophysär = von der Hirnanhangsdrüse ausgehend
    Eine sekundäre Form der Hypothyreose z.B. durch eine Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (verminderte TSH-Ausschüttung) ist sehr selten.

  • tertiäre Hypothyreose: hypothylamisch = vom Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) ausgehend
    Auch die tertiäre Form der Hypothyreose durch eine Erkrankung im Hypothalamus oder eine Unterbrechung der Portalgefäße zwischen Hypothalamus und Hypophyse wird sehr selten beobachtet.

Regelkreis der Schilddrüse … 
 

Symptome

Die Wirkung der Schilddrüsenhormone

 

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind weitreichend. Da nahezu alle Zellen des Körpers von den Schilddrüsenhormonen beeinflusst werden, zeigen sich entsprechend mannigfaltige Symptome:
  • Haar: trocken, brüchig, struppig
  • Nägel: hart, brüchig
  • Haut: trocken, kühl, teigig, blass, schuppend
  • Augen: Einlagerungen von Eiweißen in die periorbicularregion → Myxödem
  • Gewichtszunahme durch ein generalisiertes Myxödem (nicht wegdrückbar) und einen verminderten Grundumsatz
  • körperlicher und geistiger Leistungsabfall, Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche, Antriebsarmut, Müdigkeit, Desinteresse bis hin zur Depression
  • verminderte Sehnenreflexe
  • gesteigerte Kälteempfindlichkeit
  • Obstipationsneigung
  • Appetitlosigkeit
  • rauhe, heisere Stimme
  • Herz: langsame Herzfrequenz, niedriger Blutdruck, Herzvergrößerung, EKG: Niedervoltage
  • Hypercholesterinäme, frühzeitige Arteriosklerose
  • Muskelerkrankung, Muskelschwäche
  • Zyklusstörung, Unfruchtbarkeit, hohe Rate an Aborten und Frühgeburten

Wirkung der Schilddrüsenhormone … 
 

Diagnostik

Als Basisuntersuchung gelten eine Sonographie und eine Bestimmung des TSH, ergänzt durch fT3 und fT4 bei auffälligen Befunden. Das weitere Vorgehen richtet sich nach den erhobenen Befunden.

So geben zum Beispiel positive Auto-Antikörper (TPO-AK und Tg-AK) bei diffuser Echoarmut und vergrößerter Schilddrüse in der Sonographie einen Hinweis auf eine Hashimoto-Thyreoiditis. Bei einer verkleinerten Schilddrüse kann hingegen eine Ord-Thyreoiditis vermutet werden.

Andere diagnostische Verfahren (Szintigraphie,…) kommen nur selten bei unklaren Befunden zum Einsatz.

 

  TSH fT3 fT4
Euthyreose = = =
Hyperthyreose, latent = =
Hyperthyreose, manifest
Hypothyreose, latent = =
Hypothyreose, manifest
=: normal, ↑: erhöht, ↓: erniedrigt

Therapie

Bei einer manifesten Hypoythyreose erfolgt eine lebenslange Substitutionstherapie mit L-Thyroxin (=T4). Je nach Ausmaß der Hypothyreose sollte eine einschleichende Dosierung mit allmählicher Steigerung erfolgen (initial 25-50µg/d, Steigerung +25µg/d alle 4 Wochen), um mögliche Nebenwirkungen einer raschen Normalisierung des Hormonspiegels (z.B. Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen,…) zu vermeiden. Ist schließlich eine individuelle Dauerdosierung gefunden, sollte diese lebenslang gegeben werden. Gelegentliche Kontrollen bestätigen die Dosis bzw. ermöglichen eine Korrektur der Dosis.

Auch eine subklinische, latente Hypothyreose sollte in jungen Jahren (< 70 Jahren) aufgrund verschiedener Effekte der Schilddrüsenhormone behandelt werden. So möchte man einer möglichen Fettstoffwechselstörung und einer frühen Arteriosklerose sowie Störung der Fertilität durch die Therapie entgegenwirken.

Bei älteren Patienten (> 70 Jahre) zeigt die Substitution einer subklinischen Hypothyreose keinen Benefit mehr.

 

Quellen: Herold - Innere Medizin
  1) Uniklinik Saarland: Schilddrüsenerkrankungen im Kindesalter
  2) K. Middendorf: Geburtshilfe Basics. Springer Berlin Heidelberg, 2006
  3) A. Grüter-Kieslich: Angeborene Hypothyreose und Struma. In: Differentialdiagnose Pädiatrie. 2004, Elsevier GmbH